Pflege zu Hause – Entlastung für die Seele pflegender Angehörige

Für viele Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit und ein Bedürfniss, einen nahestehenden erkrankten und pflegebedürftigen Menschen selbst zu pflegen. Mit dieser Entscheidung ändert sich nicht nur für die kranke oder pflegebedürftige Person das Leben, es stellt auch Ihr Leben und die Lebenspläne der ganzen Familie auf den Kopf. Einen Angehörigen zu Hause zu pflegen, ist eine große Herausforderung. Und so selbstverständlich wie es zuerst sein kann, so schnell kann sich der Pflegende dabei selbst in einer Situation wiederfinden, in der die Herausforderung zur Überforderung wird.

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Änderung der Rollenverhältnisse

In den meisten Pflegebeziehungen ändern sich eingespielte Rollenverhältnisse. Der Erwachsene wird zum Kind und dieser Rollentausch ist für viele nicht leicht zu akzeptieren. Beide Seiten, Pflegebedürftige und Pflegende, müssen nach und nach lernen, mit der neuen Beziehung umzugehen und die Veränderungen zu akzeptieren. Aufgrund des Krankheitsprozesses oder schwierigen Umständen ist dies manchmal jedoch sehr schwer.

In diesen Situationen ist es völlig natürlich, dass es auch zu negativen Gedanken und Gefühlen kommt. Häufig fühlen sich pflegende Angehörige deswegen schlecht und haben Schuldgefühle. Diese Gedanken und Gefühle sind ein Signal: Das ist mir zu viel! Ich brauche Abstand und ich brauche Unterstützung. Nehmen Sie diese Signale als Motivation dafür, an Ihrer Situation etwas zu ändern – häufig geht dies nur mit Hilfe von außen.

Stress und Überforderung

Die Anforderungen, die mit der Organisation des Pflegealltags zusammenhängen, fordern die Psyche enorm heraus. Die Psyche ist „das Organ“, das uns befähigt, den Alltag zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen, mitzufühlen und mitzuleiden. Bei permanenter Belastung steht sie unter Hochspannung und benötigt ab und zu Zeit, sich zu erholen. Doch besonders der Gedanke, sich doch einmal zu entspannen, setzt viele pflegende Angehörige zusätzlich unter Druck.

Entspannung ist wichtig!

Wollen wir über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau einsatzfähig sein, dürfen wir nicht den Punkt verpassen, an dem wir auftanken müssen. Denn nur durch regelmäßige Erholungsphasen, die immer wieder eine angemessene Regeneration unserer Kräfte ermöglichen, können wir ein hohes Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten.

Lenken sie sich ab

Nutzen Sie den Kontakt zu anderen Menschen. Im Austausch mit anderen gewinnt man automatisch ein wenig Abstand. Dieser bietet dann den Freiraum, den man benötigt, um sich zu entspannen und wieder Kraft zu sammeln. Manchmal ist es jedoch nicht ratsam, sich mit Menschen aus dem eigenen Umfeld wie Freunden, Kollegen oder der Familie über die Probleme im Pflegealltag zu unterhalten, denn diese sind möglicherweise mit der Situation genauso überfordert wie man selbst.

Anstatt solche Kontakte zu vermeiden, könnten Sie sie gezielt zur Ablenkung von Ihren Belastungen nutzen. So können Sie auftanken, wenigstens zwischendurch für kurze Zeit. Wirklich entlastende, nämlich problemlösende Gespräche können Sie stattdessen mit Fachleuten führen. Dazu zählen Menschen in Angehörigengruppen sowie Pflegeberater oder Psychotherapeuten.

Finden Sie heraus, was Ihnen guttut

Vielen pflegenden Angehörigen fällt es schwer sich zu entspannen. Jeder Mensch tankt auf eigene Weise seine Energiereserven wieder auf, maßgeblich ist dabei, selbst zu spüren, was zur eigenen inneren Quelle werden kann. Wenn Sie sich erschöpft und ausgelaugt fühlen, hilft manchmal ein warmes, duftendes Bad oder eine schöne Musik, die Sie über Kopfhörer hören. Wenn Sie sich dagegen nervös und innerlich unruhig fühlen, wären vielleicht leichte sportliche Aktivitäten besser.

Tauschen Sie sich mit anderen Angehörigen aus

Wer könnte mehr Verständnis für Ihre Situation als Pflegender aufbringen als jemand, der das Gleiche erlebt? Die eigenen inneren Gedanken und Gefühle auszusprechen, hilft dabei, Druck abzulassen und Ordnung in Emotionen zu bringen. Es fühlt sich gut an, sich verstanden zu fühlen und zu sehen, wie andere Menschen mit einer vergleichbaren Situation umgehen bzw. gelernt haben, damit umzugehen.

Ähnlich den Selbsthilfegruppen gibt es inzwischen eine Vielzahl spezieller Angehörigengruppen. Diese tauschen sich regelmäßig bei Treffen über ihre Erfahrungen mit Ärzten oder Behörden, Krankenkassen und Versicherungen aus. Es entsteht ein Raum, in dem man sich unter Gleichgesinnten fallen lassen kann, in dem auch gelacht wird und in dem sehr intensive Gespräche zustande kommen.

Der Kontakt zu einer Angehörigengruppe kann zu jeder Zeit aufgenommen werden, doch es ist ratsam, ihn gleich zu Beginn einer Pflegetätigkeit zu suchen, denn dann ergeben sich besonders viele Fragen und viele Irrwege können so vielleicht vermieden werden.

Zum Beispiel:

Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

Computer

Sich die Probleme von der Seele schreiben

Auch im Internet erhalten Sie persönliche Unterstützung und Beratung. In Foren, Pflegeplatformen und sozialen Netzwerken gibt es die Möglichkeit ebenso Fragen zu stellen und sich mit pflegenden Angehörigen auszutauschen.

Was Sie in einer akuten Krise tun können

Wenn Sie das Gefühl haben, nicht mehr weiter zu wissen und sich in einer akuten Krise zu befinden, können Sie sich auch an eine psychiatrische Klinik vor Ort oder an einen Krisendienst wenden. Suchen Sie im Telefonbuch oder im Internet, indem Sie Ihren Wohnort und das Stichwort „Krisendienst“ eingeben.

Wann und wie ein Psychotherapeut helfen kann

Natürlich führt die Pflege eines Angehörigen nicht zwangsläufig zu einer psychischen Störung. Chronischer Stress hat Auswirkungen und kann dazu führen, dass das seelische Gleichgewicht nachhaltig gestört wird und sich eine psychische Krankheit entwickelt. In einer psychotherapeutischen Behandlung ist es möglich, alle Sorgen, Ängste und negativen Gefühle unbefangen zu äußern. Für Sie selbst und für Ihre Beziehung zum Pflegebedürftigen kann dies eine unschätzbare Entlastung bedeuten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie seelische Belastungen bei der Bewältigung des Alltags einschränken, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder auch direkt an einen niedergelassenen Psychotherapeuten.

Vorhandene Entlastungsmöglichkeiten nutzen

 

Schulungen für pflegende Angehörige

In Pflegeschulungen erfahren Sie, wie Sie einen kranken Menschen im Bett richtig umlagern, ihm beim Aufstehen, Gehen, An- und Auskleiden oder Waschen helfen können, sodass es für beide Seiten möglichst angemessen und schonend ist. Außerdem lernen Sie Pflegehilfsmittel kennen und erfahren, wie Sie sie richtig anwenden. Darüber hinaus erhalten Sie viele wertvolle Tipps rund um die Organisation des Pflegealltags.

zum Beispiel:

Caritas – Kurse für pflegende Angehörige

Rotes Kreuz – Kurse für pflegende Angehörige

Professionelle Pflegedienste

Sie übernehmen in Zusammenarbeit mit Ihnen die häusliche Pflege. Sie erfahren Unterstützung und Hilfe im Alltag, damit Sie Familie, Beruf und Betreuung besser miteinander vereinbaren können. Außerdem kann es weitere Hilfsdienste wie Essen auf Rädern, Fahrdienste oder Krankentransporte vermitteln.

zum Beispiel:

Fahrtendienst – Hallermobil

pflegecheck24 – Pflegedienstvermittlung

Hilfswerk

Arbeiter-Samariter-Bund – Essen auf Rädern